Ruzhdi Shabani, Testfahrer

von Dagmar Hofer

Ruzhdi Shabani,

ist 33 Jahre alt. Er kam mit seiner Familie Ende 1993 als Flüchtling aus dem Kosovo nach Deutschland, wurde zwei Jahre später wieder abgeschoben und kam erneut zurück. Seit 5 Jahren lebt er mit seinen Eltern und drei Geschwistern in Dinslaken. Ruzhdi arbeitet in der Albert-Schweitzer-Einrichtung Dinslaken im Bereich Montage und Verpackung. Es ist ihm wichtig, arbeiten und eigenes Geld verdienen zu können. In seiner Freizeit fährt Ruzhdi gern in die Stadt. Er interessiert sich sehr für Fußball und ist überzeugter Anhänger des FC Bayern München. Durch eine erhebliche Gehbehinderung mit Kontraktionen beider Beine ist er auf den Rollstuhl angewiesen.
Bis zu seinem 30. Lebensjahr fand kaum physiotherapeutische Förderung statt.

Probefahrten

In Vorbereitung auf die Move me- Fahrten trainierte Ruzhdi unter Anleitung von Joss Remkes und Martina van Rossum Oberkörper und Arme und das Stehen am Barren.

1. Testfahrt 02.09. 2009 in Wesel

Aufgrund seiner schweren Kontraktionen und der unterschiedlichen Beinlänge fuhr Ruzhdi zunächst in sitzender Position auf einem Sattel. Immer wieder waren Korrekturen der Sitzposition, des Geländers, des Sattels oder der Knie-Piloten erforderlich. Ruzhdi war sehr geduldig und fuhr schließlich, seitlich von Helfern gestützt, einige Meter durch die Halle.

2. Testfahrt 16.12.2009 in Wesel

Ruzhdis rechtes Bein wurde mit einer Sprunggelenk-Prothese und einem Fußadapter versehen. Nach mehreren Korrekturen zur Verbesserung seiner Position konnte Ruzhdi losfahren.
Nach ca. 10 Minuten gestützter Fahrt fuhr er alleine auf dem Move me durch die Halle. Nach insgesamt 20 Minuten Fahrzeit wurde eine Fahrpause im Rollstuhl eingelegt. Danach übte er unter Anleitung das selbstständige Anhalten und das Fahren enger Kurven. Schon jetzt wurde er teilweise übermütig, fuhr zu schnell oder fuhr auf eine Person zu, die am Boden saß, und schwenkte kurz vor ihr in einer Kurve an ihr vorbei. Ruzhdi hatte keine Schmerzen, kein Gefühl der Unsicherheit und eine Menge Spaß.

Es war ein erstaunlicher Erfolg, dass ein Mensch mit so schweren Behinderungen wie Ruzhdi, der noch nie im Leben frei gestanden hat oder gelaufen ist, innerhalb so kurzer Zeit in der Lage war, sich auf dem Move me so auszubalancieren, dass er ihn in Richtung und Geschwindigkeit selbstständig steuern konnte.

Die weiteren Testfahrten fanden in den Räumen der Albert-Schweitzer-Einrichtung Dinslaken statt.
Im Physiotherapie-Raum erfolgten das Aufsitzen und notwendige Korrekturen der Sitzposition, danach fuhr Ruzhdi jeweils frei durch die Flure und Werkräume der Einrichtung. Hier lernte er schnell, durch Türen hindurch zu fahren und sich zwischen Regalen, Stühlen und Tischen zu bewegen.

Am 01. Dezember 2009 fand eine besondere Fahrt statt: Ruzhdi fuhr diesmal nicht sitzend auf einem Spezialsattel, sondern stehend, mit einem Beckengurt gesichert. Die Steuerung des Move me gelang ihm ebenso gut wie sonst.
Ein besonderes Erlebnis war für ihn die (aus Sicht der besorgten Helfer viel zu rasante) Fahrt über den Parkplatz und den Hof der Einrichtung sowie ein kleiner Abstecher in ein Café.

Frage: Haben dir die Fahrten Spaß gemacht?
Ruzhdi:  Ja, sehr!
Frage: Was hat dir besonders gefallen?
Ruzhdi:  Das Stehen, die Fahrt ohne Sattel.
Mit Sattel und im Sitzen ist normal, aber das Stehen ist etwas Besonderes.
Frage: Was hat sich für dich verändert seit den ersten Probefahrten?
Ruzhdi:  Ich bin fitter geworden.
Frage: Was würdest du machen, wenn du einen eigenen Move me hättest?
Ruzhdi:  Ich würde in die Stadt fahren.
Und noch weiter! Wie weit geht es denn?
(Ungefähr 25 Kilometer.)
Ja, so weit würde ich fahren.
Frage: Was kann am Move me noch verbessert werden?
Ruzhdi:  Selber einsteigen. Man muss selber einsteigen und absteigen können.
Ich bin ja ein selbstständiger Mensch.

Wir bedanken uns bei Ruzhdi für sein Engagement, für sein unermüdliches Trainieren und seine Geduld!

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