Move Me
Von der Idee zum Prototypen
Manche Ideen sind gut, manche sind sehr gut, manche Ideen verändern die Welt.
Viele Ideen sind glatter Blödsinn und sollten sofort vergessen werden.
Anfang 2009 entwickelte Rolf Lorenz die Idee des Move me.
Sie erschien zunächst ganz interessant, aber gleichzeitig so absurd und unmöglich,
dass sie für Wochen wieder in der Schublade verschwand:
Kann man ein Gerät entwickeln, mit dem sich ein Querschnittsgelähmter aufrecht stehend fortbewegen kann? Freihändig, wendig und schnell?
In Innenräumen, Fußgängerzonen, Parks oder Biergärten?
Am Strand?
Um mit den Kindern in den Wald zu fahren oder zum Einkaufen?
Zum Golfen?
Einfach nur zum Spaß?
Blödsinn!
Nur mit dem Unmöglichen als Ziel,
kommt man zum Möglichen.
Miguel de Unamuno y Jugo (1898)
Nach einiger Zeit drängte die Idee wieder ans Licht und nahm Gestalt an.
Rasch wurde klar, dass sich das Projekt Move me nur in einem professionellen Team mit viel Engagement und Idealismus realisieren lässt.
Gemeinsam mit Dagmar Hofer und Pieter van Berkel gründeten Rolf und Jenny Lorenz die Firma SportLane. Dagmar Hofer und Pieter van Berkel sind Geschäftsführer der Firma Stage Kinetik und ansonsten mit der Realisierung technischer Sonderkonstruktionen für Fernsehshows und Messen beschäftigt; Rolf und Jenny Lorenz befassen sich sind bei der Firma LOMA mit der Ausstattung individueller Entspannungsräume und der Entwicklung technischer Elemente im Therapiebereich.
Während der technischen Realisierung des Move me- Prototypen stellten wir Vermutungen an, welche positiven Auswirkungen auf Querschnittsgelähmte ein solches Fahrzeug haben könnte: neben den praktischen Vorteilen durch die Wendigkeit des Gerätes und dem dadurch vergrößerten Aktionsradius für die Betroffenen müsste auch die Kommunikation in Augenhöhe mit dem Gegenüber als sehr angenehm empfunden werden. Ärzte und Physiotherapeuten bestätigten die positiven Auswirkungen der aufrechten Körperhaltung auf Muskel- und Nervensysteme. Doch uns kamen auch immer wieder Zweifel: Lohnt es sich wirklich, so viel Zeit, Geld und Arbeit in dieses Projekt zu investieren?
Ruzhdi Shabani, Alter 33, war unser erster Testfahrer, der den Prototypen des Move me erprobte. Am 02.09. 2009 fand in einer Turnhalle in Wesel die erste Move me-Testfahrt statt.
Trotz Ruzhdis schwerer Behinderung und noch nicht optimal eingestellter Elemente verlief die erste Fahrt überraschend gut: Ruzhdi fuhr links und rechts gestützt eine Runde durch die Halle. Bei der zweiten Probefahrt 14 Tage später konnte Ruzhdi schon nach 10 Minuten ganz alleine auf dem Move me durch die Halle fahren. Er übte das selbstständige Anhalten und das Fahren enger Kurven. Ruzhdi hatte keine Schmerzen, kein Gefühl der Unsicherheit und eine Menge Spaß (siehe „Ruzhdi Shabani, Testfahrer Nr. 1").
Die technische Entwicklung des Move me wurde von Erfahrungen beeinflusst, die bei unseren ersten Testfahrten gesammelt wurden. In Jos Remkes (Physiotherapeut) und Martina van Rossum (Fachkraft für Arbeitsförderung behinderter Menschen) fanden sich Partner, die die ersten Testfahrten begleiteten und mit ihrem Fachwissen wesentlich zur Entwicklung des Move me beitrugen.
Am 25. November 2009 fuhren in Arnheim erstmals zwei querschnittslähmte Personen auf dem Move me: Cees Roest und Sandra Spexgoor. Die Probe war überwältigend. Nach nur wenigen Korrekturen an der Standposition konnten sich beide innerhalb kürzester Zeit frei mit dem Move me bewegen. Beide fuhren ca. eine Stunden lang frei durch die Turnhalle.
Die Erfolge der ersten Probefahrten und die positiven Reaktionen unserer Testfahrer bestätigen die Theorie:
Auch Querschnittsgelähmte und stark gehbehinderte Personen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, können sich mit dem Move me aufrecht stehend fortbewegen.
Neben den vielen positiven Effekten, die der Move me für diese Personen in medizinisch- therapeutischer Sicht und auch im sozialen Alltag bewirken kann, zeigt sich ein Aspekt schon bei den Probefahrten ganz deutlich: Es macht einen Wahnsinns-Spaß!
Wo ein Begeisterter steht,
da ist der Gipfel der Welt.
(Joseph von Eichendorff)